Habitat/Ökologie (Meinunger & Schröder 2007) Sehr variable Art. Die etwa 1–3 cm große Normalform wächst an nassen Felsen und auf Steinen an Bachrändern. Submerse Formen in Gebirgsbächen werden bis über 10 cm groß und wurden früher als eigene Art, Marsupella aquatica, abgetrennt. Heute werden diese Pflanzen allgemein nur noch als Varietäten oder Formen von M. emarginata betrachtet (vergl. unten). In sickerfeuchten, rasch abtrocknenden Felsspalten und an feuchten Gesteinen außerhalb von Fließgewässern bleiben die Pflanzen oft klein und werden dann leicht mit anderen Arten der Gattung verwechselt. Besonders getrocknete Pflanzen sind meist etwas starr und brüchig. Kalkmeidende Art auf nassem Gestein, besonders an und in klaren, reinen Gebirgsbächen, daneben auch auf überrieselten Felsen. Außerdem findet sie sich auf feuchten Blockhalden, an nassen, lehmigen Böschungen und Wegrändern und gelegentlich sekundär, etwa auf Friedhöfen. Begleiter sind: Scapania undulata, S. nemorea, Jungermannia sphaerocarpa, Diplophyllum albicans, Lophozia ventricosa, Racomitrium aciculare und Heterocladium heteropterum. Soziologische Angaben: Drehwald & Preising (1991); Lüth (1990); Marstaller (1987); C. Schmidt (1993); Baumann & Stetzka (1999); Schubert (2004); Nebel & Philippi (2005). Marsupella emarginata var. aquatica (Lindenb.) Dumort. Sehr große, kräftige Formen in rasch fließenden Gebirgsbächen. Wir haben solche Pflanzen nicht gesondert kartiert, sie sind in allen höheren Mittelgebirgen gemeldet worden: Harz: Loeske (1903); M. Preussing (!). NW: F. Koppe (1977). TH: Meinunger (1992). SN: F. Müller (2004). BW: Nebel & Philippi (2005). BY: Familler (1917); F. & K. Koppe (1931); E. Hertel (!).
Verbreitung (Meinunger & Schröder 2007) Hauptverbreitung in höheren Lagen der Silikatmittelgebirge und in einigen Sandsteingebieten. In den Alpen nur an kalkfreien Stellen. Im Flach- und Hügelland nur ganz vereinzelt: SH: Nur bei Hamburg: N. Jensen (1952); neuerdings 2326/3 auf einem Friedhof, F. Schulz (in litt.). MV: K. Hahn (1909). NE: F. Koppe (1964); Koperski (1999). BB: Warnstorf (1903); Klawitter et al. (2002). NB, ST: Im Oberharz verbreitet, im Unterharz nur vereinzelt. Außerdem auf Sandstein im Weserbergland, besonders im Solling: Loeske (1903); Zschacke (1905; 1908); Philippi (1982); Quelle (1902); Wehrhahn (1921); Nowak (1965); E. Volger (!); Gläser (1994); M. Preussing (!). NW: F. Koppe (1977); Düll (1980); C. Schmidt (1993; 1996); M. Grundmann (in litt.). – Zu streichen: F. Koppe (1977: 19) beschreibt eine „fo. propagulifera“ von Niedersfeld, der Beleg in STU gehört zu Lohozia sudetica, rev. LM (!). Marsupella- Arten haben niemals Brutkörper! HE: Hauptsächlich auf Basalt am Meißner und in höheren Lagen der Rhön, außerdem mehrfach im Reinhardswald, Bramwald und Kaufunger Wald, sonst sehr selten: Köhler (1925; 1936); Futschig (1968; FR !); G. Schwab (in litt.); Laubinger (1903a); U. Drehwald (in litt.); M. Preussing (in litt.); 5616/3 Schieferfelsen im Weiltal O Ziegelhütte, 24.05.1997, LM. TH: Meinunger (1992); 5136/2 R. Marstaller (in litt.). SN: Schade (1924; 1936); F. Müller (2004). RP, SL: Im Pfälzer Wald verbreitet, in den übrigen Mittelgebirgen zerstreut: Werner (1992; 2000); Werner & Holz (1993); Hauter (1995); Düll (1995); K. Koppe (1940); Caspari (2004); Lauer (2005); 5413/3 Basalt am Oberahrer Berg, 17.03.1995, LM. BW: Im Schwarzwald häufig, selten im Odenwald und Schwäbisch-Fränkischen Wald: Ahrens in Nebel & Philippi (2005); M. Reimann (in litt.). BY: Nordbayern: In höheren Lagen der Rhön und in den ostbayerischen Mittelgebirgen ziemlich verbreitet, sonst sehr selten: Familler (1917); Ade (1942); K. Offner (!); E. Hertel (!); U. Teuber (!); 6532/2 Sandsteinfelsen am Klingenberg O vom Schmausenbuck, 15.02.2003, K. Gross (!); 6023/3 Neustadt, Buntsandstein an einem Bach, 08.04.1999, WS. Alpen: Hauptsächlich im Allgäu, sonst vereinzelt um Garmisch an kalkfreien Stellen: Familler (1917); K. Koppe (1964); R. Lübenau (!); 8527/3 Auf der Grasgehrenalpe, 04.09.1996, WS; Funde R. Lotto: 8332/4; 8431/1; 8433/2; 8532/3 (!).
Bestand und Gefährdung (Meinunger & Schröder 2007) In den Hauptverbreitungsgebieten ungefährdet. Im Hügelland sollten die vereinzelten Vorkommen geschont werden: RL 3. Im Flachland an ihren alten Fundstellen auf Moorheiden zusammen mit diesen Biotopen verschwunden: RL 0, vereinzelte neuere Nachweise an Sekundärstandorten erscheinen nicht besonders schutzwürdig.